Lehrmeister Kind

Kinder sind noch sehr mit dem Ursprung verbunden und verhalten sich dementsprechend (s. Beitrag Zenmeister Kind). Aber auch ihre Sorgen und Nöte rühren aus dieser Verbundenheit, denn nichts ist für sie bedeutsamer als die Beziehung zu ihrem engsten Umfeld.
Kinder erfahren unachtsamen Streit oder schlimmer noch, einen Rosenkrieg der Eltern nicht nur als eine Bedrohung ihrer Daseinsgrundlage, sondern intuitiv auch als Unrecht an der Ursprünglichkeit alles Seins. In dieser ist die unbedingte Liebe bzw. Akzeptanz des Gegenübers ein natürliches Gesetz. Daher lieben die Kinder ihre Eltern bedingungslos und so sollten auch die Eltern ihre Kinder und sich als Elternpaar unbedingt lieben oder zumindest akzeptieren. Wenn also Eltern es zulassen, dass ihre Streitigkeiten insgesamt schwerer wiegen dürfen als ihr gegenseitiges Annehmen, so tun sie ihrem eigenen Ursprung Unrecht.
Daher ist Familienleben ein so spannendes, vielfältiges und geradezu ideales Übungsfeld für die spirituelle Praxis und lohnend für alle Beteiligten, wenn man sich Zeit und Mühe schenkt.
Kinder merken sehr genau, wann ein Erwachsener die Contenance verliert und reagieren darauf, je nach Alter, mit Verängstigung, Rückzug, Gegenübertragung oder Verachtung. Auch wenn man in einem Streit Recht haben mag, so gibt das einem nicht die Legitimation, aggressiv oder beleidigend zu werden. Damit wird man einfach nicht unserer Wesensnatur gerecht, in der jeder sein darf, ob er nun Recht hat oder nicht. Das spiegeln uns die Kinder intuitiv wider.
Kinder mögen geduldig, sanft und klar begleitet werden. Die pädagogische Haltung ist dementsprechend eine abwartende und wertschätzende, die das Kind ermuntert, einfach es selbst sein zu dürfen und darin annimmt. Als Erwachsener übernimmt man dabei die Verantwortung für die eigenen Emotionen und projiziert den Grund für deren Entstehung nicht auf andere. Das ist sehr wichtig! Desweiteren sorgt man als Erwachsener für geordnete Verhältnisse, in denen das Kind sich sicher fühlen darf.
Kinder verlangen einem Erwachsenen also viel ab, bieten aber dafür eine sinnvolle und natürliche Gelegenheit, an sich zu arbeiten, sich weiter zu entwickeln und unpassende Muster aus der eigenen Vergangenheit zu hinterfragen und abzulegen.

Jesper Juul schreibt:

Für Eltern sind Kinder die mit Abstand besten Lehrmeister, die es gibt.“

In kaum einer der vielen Rollen, die wir im Leben ausfüllen, sind wir so empfindlich und verletzbar wie in der Elternrolle.“

(ein Beitrag von Harald K.)