Weg und Ziel

Sich in Gleichmut, Achtsamkeit und Mitgefühl zu üben sind alles Wege zum Einen.
Gleichmütig, achtsam und mitfühlend sein sind alles Ausdrucksarten des Einen im zu ihm erwachten Menschen.
Der Übungsweg ähnelt also dem Ziel und nähert sich ihm an, bis sie ineinander fallen.

(ein Beitrag von Harald K.)

Mind 2.0

Mit Newton deckt sich eine Weltanschauung von getrennten Dingen und Phänomenen, die sich gemäß festen Naturgesetzen verhalten. Das Prinzip von Ursache und Wirkung in einem dreidimensionalen Raum mit konstantem Zeitfluss herrscht vor und bedingt unsere Psychologie von getrennten Existenzen, Altern und Sterben.
Mit Einsteins Relativitätstheorie und den Erkenntnissen aus der Quantenphysik deckt sich eine solche Weltanschauung allerdings nicht. Vielmehr besteht diese nun aus der gegenseitigen Bedingung alles Seinenden. Nichts existiert für sich allein sondern jedes Einzelne nur, weil es das Andere gibt. So bedingen sich auch Bewusstsein und seine Inhalte, Subjekt und Objekt.
Eine neues, zeitgemäßes, relativistisches Mind 2.0 wäre also ein Selbstverständnis, in dem ich weiß und fühle, dass ich nur bin, weil es das Andere gibt.
Doch wem gehört das Bewusstsein? Ist es Deins? Unser aller? Woher kommt es?
Der Grad der Bewusstwerdung ist Evolution und schließt am Ende den Kreis, in dem Bewusstsein seinen eigenen Ursprung zum Inhalt hat.

(ein Beitrag von Harald K.)

in jedem Augenblick
den du bewusst lebst
erkennt sich das Leben in dir

(ein Beitrag von Dagmar F.)

Die Zeit drängt

Und wieder steht die Welt vor einem Scheideweg und wir mit ihr, uns zu entscheiden. Die Parallelen zu den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts sind nicht zu übersehen. Eine sich rücksichtslos bereichernde Oberschicht, eine schwindende Mittelschicht und eine frustrierte Unterschicht, deren Unmut auf einen falschen Sündenbock gelenkt wird und in einen politischen Rechtsruck und Radikalisierung mündet.
Die sich verschärfenden politischen und sozialen Umstände erzeugen einen Druck, sich entweder von der verrückt spielenden Welt abzuwenden und dem Frieden zuzuwenden oder sich völlig in ihr zu verlieren und der Angst, der Gier und dem Hass zum Opfer zu fallen.
Wir haben die Wahl, einer Welt anzugehören, in der die einen meinen zu besitzen und nach mehr gieren und die anderen sich in Armut wähnen oder wir geben das Konzept von arm und reich auf und nehmen nur so viel, wie es zum Leben braucht.
Wir haben die Wahl, in einer Welt zu leben, in der Angst und Hass kultiviert werden, um die Macht der einen und die Ohnmacht der anderen zu erhalten oder wir lernen in Gleichmut zu leben, ohne Täter zu sein, ohne Opfer zu sein.
Wir haben die Wahl, in einer Welt ohne Zauber zu funktionieren, verdinglicht, instrumentalisiert und käuflich oder das Mysterium der Existenz zu ergründen und zur Blüte zu bringen.
Wir haben also die Wahl, einer Welt zu gehorchen, die geprägt ist von zunehmender Polarisierung und Zerrissenheit oder wir suchen und schauen die Einheit der Schöpfung.
Diese Wahl braucht wahrlich Mut, wenn die Wogen hoch schlagen, doch unsere Übung ist der Anker. Also, lasst uns mutig sein und üben : )

(ein Beitrag von Harald K.)

Was ist der Weg?
nicht nachlassen
ohne Vorbehalte da sein
in jedem Augenblick verbunden sein

(ein Beitrag von Dagmar F.)

Einzigartigkeit der Schöpfung und des Menschen

Seit der homo sapiens existiert, hat er sich durch Anpassung an eine sich verändernde Umwelt und durch evolutive Mutationssprünge ständig weiter entwickelt. Die Reproduktion der Gene durch Vererbung ist nie ein Kopieren des Gleichen gewesen, sondern ein Schöpfungsspiel mit Billionen von Möglichkeiten. Evolutive Fortschritte ereigneten sich oft durch Zufälle und durch ein Überspringen der Vererbungsmatrix. Das schöpferische Prinzip, das allem Lebendigen inne wohnt, lässt sich nicht begrenzen und nicht berechnen. Es lässt unzählige einzigartige Formen des Lebens entstehen, die im Reagenzglas nicht kopierbar sind. Unabhängig vom ethischen Standpunkt ist eine Steuerung der Reproduktion von menschlichem Erbgut eine Sackgasse der Evolution.

Das, was einen Menschen ausmacht, sind nicht seine Gene.
Der Physiker Hans Peter Dürr bezeichnet die Materie als „geronnenen Geist“. Das schöpferische Prinzip des Lebendigen ist eng verwandt mit dem Wirken des Geistes, der sich in allem, was existiert, manifestiert.
Im Zen sprechen wir von der Leere als erfahrbare geistige Wirklichkeit, die den gegenwärtigen Augenblick neu und unverwechselbar entstehen lässt. Nur weil die geistige Wirklichkeit keine materielle Substanz hat, kann sie sich in allen materiellen Formen manifestieren.

Wenn der Mensch die Grenzen des Machbaren nicht akzeptiert und seinen geistigen Ursprung verleugnet, richtet er sich gegen die Gesetzmäßigkeit des Lebendigen. Wir sind dabei, das Ökosystem der Erde zu zerstören; wenn wir das Staunen und die Ehrfurcht vor der Einzigartigkeit des Lebens und des Menschen verlieren und ihm sein Seelengeheimnis nehmen, reduzieren wir den Menschen auf das eingeschränkte Maß des Berechenbaren.

Welches Menschenbild und welche Hybris liegen dem Ansinnen zugrunde, ausschließlich dem Diktat des technologisch Machbarem zu folgen und die seelisch – geistige Dimension mit ihrem unermesslichen Potential außer acht zu lassen?

„Der Geist weht, wo er will“. Möge der Mensch sich seines geistigen Ursprungs bewusst werden und dies als größten Schatz begreifen.
Die Evolution in ihrem geistigen Schöpfungsprinzip zu erkennen und die Verbundenheit mit allem Lebendigen, das nichts ausschließt und aus dem nichts „Unwertes“ herausfällt, zu erfahren und danach zu handeln, ist der nächste anstehende Entwicklungssprung des Menschen.

20.06.2018
Dagmar Fleischmann
Zenlehrerin Leere Wolke

Als ich mich selbst zu lieben begann…

habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man SELBST-BEWUSST-SEIN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann,
wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken,
obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit,
und auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Einladung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus.
Heute weiß ich, das nennt man EINFACHHEIT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man BESCHEIDENHEIT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag, Tag für Tag, und nenne es BEWUSSTHEIT.
Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken behindern und krank machen kann. Als ich mich
jedoch mit meinem Herzen verband, bekam der Verstand einen wertvollen Verbündeten.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

(ein Beitrag von Harald K.)

„leere“ Wahrnehmung

Früher habe ich das Quietschen bremsender Autos oder ein Hundebellen dazu genutzt, mich selbst daran zu erinnern, wieder meine Aufmerksamkeit auf das Jetzt zu richten, achtsamer zu sein, bis ich irgendwann feststellte, dass ich schon im Grunde aufmerksam war, auch wenn ich in Gedanken gerade woanders gewesen sein mag. Die Geräusche fühlten sich nun anders an oder besser gesagt, die Wahrnehmung hatte sich verändert.
Beim Hören fühlt es sich an wie eine Spanne zwischen Weite und Punktförmigkeit. Aufmerksam in den Raum lauschen vermittelt das Gefühl von Unendlichkeit, entfernte Brummgeräusche wie von Flugzeugen unterstützen das. Abrupte Geräusche hingegen, wie das Scheppern von Töpfen oder Knarren der Dielen, vermitteln einem den Eindruck, als existierten sie nur innerhalb eines Punktes. Sie hören sich in-sich-geschlossen an. Das hört man am besten, wenn man die Augen schließt (oder eben nur eine leere Wand vor sich anschaut) und dabei nicht dem nachgeht, woher das Geräusch kommt oder warum, sondern nur auf das Geräusch an sich hört. Entscheidend dabei ist, mit allem was man hat, sprich dem ganzen Körper, v.a. Bauch und Brust beim Hören dabei zu sein und ganz bei sich zu bleiben, sich nicht hinaus in die Welt bewegen, sondern die Geduld zu haben, die Geräusche bis zu Dir kommen zu lassen, sie in Dir entstehen zu lassen.
Beim Sehen ist es der weiche Blick (s. Beitrag „Der weiche Blick“), der in ähnlicher Weise konträr erscheint in seiner Transparenz bzw. kompletten Unschärfe und gleichzeitig bestechenden Schärfe der wahrgenommenen Dinge.
Hören und Sehen liefern uns primär die Information einer Außenwelt, in der ich mich dann getrennt von den anderen Dingen mit meinen übrigen Sinnen erlebe. Diese beiden Sinne sind aber auch gleichzeitig besondere Torwege, diese Trennung wieder aufzuheben, indem man sich ihre jeweils konträren Aspekte bewusst macht. Dann führen die verschiedenen Seh- und Höreindrücke immer dieselbe Basisinformation über die „innere“ Beschaffenheit der Dinge mit sich.
Diese immer-gleichen konträren Wahrnehmungsaspekte vermitteln einem das Erleben der „Leere“ in Sinne von Allem liegt dieselbe Wirklichkeit zugrunde und von Zeitlosigkeit, Verbundenheit und In-Sich-Geschlossenheit des Universums.
Die eigenen Gedanken und Gefühle kann man dann als solche betrachten und lückenlos in das Ganze einbetten. Dabei bleibt alles erhalten, wie man es kennt. Die eigenen Stärken und natürlich auch die Schwächen, die einen vielleicht damals auf den spirituellen Weg gebracht haben und die man gerne mit einer plötzlichen Erleuchtung weggezaubert hätte. Aber dieser veränderten Wahrnehmung, wie auch der Übung, zu vertrauen, sich von ihr leiten zu lassen, das Mitgefühl für sich selbst, die Empathie für andere und die Intuition, das Bauchgefühl wachsen zu lassen und sich schließlich der für den Verstand unbegreifbaren Urnatur zu überlassen und ohne Angst zu leben, dazu braucht es wiederum viel Geduld, Mut und immer den Willen und der Zustimmung des eigenen, kleinen Ichs, sich dem Erleben zuzuwenden, es anzunehmen und sich hineinzugeben.

P.S.: Dass die Punktwahrnehmung des Hörens durchaus ein echtes Abbild des Universums liefert, zeigt uns die Urknalltheorie, derzufolge das Universum mal in einem Punkt vereint war und Einsteins Relativitätstheorie, laut der für Licht die Zeit stillsteht und der Raum sich auf Null reduziert.

Charlotte „Joko“ Beck drückt es so aus: Man kann sich das Universum als „multidimensionalen Punkt“ vorstellen.

Dogen schreibt: Wenn wir eine Seite erfahren, bleibt die andere im Dunkeln.

(ein Beitrag von Harald K.)

ein Entenpaar mit zwei flaumigen Entenkindern
startet friedlich mit mir vom Ufer des Sees –
für einen Augenblick
bin ich Mitglied der Familie

(ein Beitrag von Dagmar F.)