gegenwärtiges Sein

Dieser gegenwärtige Augenblick ist verdichtete Zeit. In ihm sind Vergangenheit und Zukünftiges enthalten.
DIeser gegenwärtige Augenblick ist zeitlos, beständig im Wandel, durch und durch lebendig.
Wenn du gegenwärtig bist, bist du in der Ganzheit deiner Person da.
In der Ganzheit deines Gewordenseins und noch Werdens, in der Ganzheit deines Soseins. All deine vergangenen biographischen Stationen wie auch die zukünftigen Stationen sind in diesem gegenwärtigen Augenblick als eine Gestalt verdichtet. Das Kind in dir ebenso wie die Jugendliche, die junge Frau, die erwachsene Frau, die ältere Frau, deine Geburt ebenso wie dein Sterben. All dies erfasst dein Bewusstsein intuitiv, es ist in der Gegenwart enthalten, weil der gegenwärtige Moment zeitlos ist.
So kannst du dich in deiner biographischen Identität als die selbe erfahren, gleichzeitig
bist du als lebendiges Sein immer im Wandel.

aus „Einsteins Traum“

Ich finde es einfach faszinierend, dass moderne Physik wie Einsteins Relativitätstheorie und Quantenphysik sich in vielen Bereichen mit östlichen Weisheiten deckt. Diese Übereinstimmung ist wiederum für westlich geprägte Menschen, die den Ergebnissen der Naturwissenschaften eine hohe Bedeutung beimessen, sehr hilfreich, sich rein aus der Erfahrung gewonnenen Erkenntnissen anzuvertrauen. Eine weitere Buchempfehlung dazu ist „Das Tao der Physik“ von Fritjof Capra.

(In Auszügen und teilweise frei formuliert)

In seinem Buch „Einsteins Traum“ spricht Stephen Hawking von einer „imaginären Zeit“, mit der wir uns als Konzept genauso abfinden müssen, wie mit Einsteins Relativitätstheorie und die in 20 Jahren vielleicht genauso akzeptiert wird wie diese.

Er meint mit der „imaginären Zeit“ eine Zeit so real wie die herkömmliche, nur dass diese senkrecht! auf der „normalen“ Zeitachse verläuft. Bekannt ist ja seit Einstein, dass Materie und Energie die Raumzeit (also Raum und Zeit zusammen) in sich krümmen. Das führt in der normalen Zeitrichtung unweigerlich zu Singularitäten, Orte, an denen die Raumzeit endet (z.B. der Zeitpunkt des Urknalls) und die Gleichungen der Physik nicht mehr greifen. Gemessen an der imaginären Zeit kann eine solche Raum-Zeit-Krümmung dazu führen, dass sich die Raumzeit wieder auf der Rückseite trifft und somit in sich geschlossen ist, wie die Erdoberfläche oder ein Kreis in sich geschlossen sind. Sie hätte keinen Punkt, den man Anfang oder Ende nennen könnte.

Das erinnert stark an Aussagen aus dem Zen. Der Kreis im 8. Ochsenbild zeigt dies klar und deutlich. Wir richten uns in unserer Übung ja genau auf diese senkrecht verlaufende, „imaginäre Zeit“ aus, sprich den gegenwärtigen Moment, im dem sich das Universum tatsächlich als in sich geschlossen erlebbar zeigen kann.

Beitrag von Harald K.

 

Boddhidharma

Boddhidharma, der Begründer des Zen in China, antwortete auf die Frage des Kaisers nach dem Wesen des Zen:

„Eine Lehre jenseits der offiziellen Lehre. Sie trifft unmittelbar in des Menschen Herz.“

„offene Weite, nichts von heilig“